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Offenherzig


Eine Erfahrung am Parlament der Weltreligionen


1999 war ich gemeinsam mit meiner Frau Catherine Teilnehmender in der Assembly des Parlamentes der Weltreligionen in Kapstadt. Wir wurden in den inneren Kreis der Assembly eingeladen und haben während einer Woche mit verschiedenen Menschen aus den unterschiedlichsten Religionen und Weltanschauungen am interreligiösen Dialog gearbeitet.


Das Parlament der Weltreligionen ist eine der ersten Initiativen, die die Zusammenarbeit, den friedlichen Dialog, und die Verbundenheit unter den Religionen und spirituellen Wegen initiiert und realisiert hat. Das erste Treffen fand 1893 in Chicago statt.

Ein grosses Anliegen des Parlaments ist die Einheit und Verbundenheit unter den Religionen zu fördern, ohne das Trennende zu verwischen.


An diesem Treffen zeigte sich für mich, dass wir uns trotz aller Unterschiede nicht so fremd sind, wie wir manchmal denken. Zum Thema “Im Dialog das Verbindende betonen“ kamen wir in Arbeitsgruppen mit Vertretern aus unterschiedlichen Traditionen zusammen, tauschten uns aus, lernten voneinander, stritten miteinander und ermutigten einander. Ein Schlüsselerlebnis war für mich, als ich erkannte, wie wichtig es ist, in einem solchen Austausch, mich vom Kopf ins offene Herz zu lassen. Unter all den Menschen, die da versammelt waren, hatte es auch Personen, die andere und mich “missionieren“ wollten. Das hat mich gestört. Daher ging ich im Laufe der Woche immer mehr auf Distanz zu diesen Personen. Doch eines Tages ergab sich ein offenes und sehr persönliches Gespräch mit eben einer solchen Person. Dabei ist mir das Herz aufgegangen und ich habe gespürt und realisiert: auch du und dein Glaube und deine Weltanschauung haben Platz im Raum meines Herzens.

Das Denken operiert gerne mit Konzepten, Gegensätzen und Vorstellungen, was tendenziell dazu führt Abgrenzungen zu schaffen. Das Herz ist da etwas anders. Wenn wir unser Herz öffnen, können wir mit allem und allen verbunden sein. Dazu ein Text von einem „Bruder im Geiste“, Ibn El Arabi, Philosoph und Sufi Meister aus dem 12. Jahrhundert: „Mein Herz ist jetzt fähig geworden alle Formen anzunehmen. Es ist Weide für Gazellen und Kloster für Mönche, Tempel für die Götter und die Kaba für Pilger. Es ist Gefäss für die Tafeln der Thora und die heiligen Worte des Koran. Denn mein Glaube ist die Liebe. Wohin die Karawane auch hinziehen mag, ist Liebe meine einzige Religion.“

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